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(1) I am currently investigating the space between light and dark or inside and outside in terms of color and shadow. When contrasts fade, nuances become visible. In the shadow of darkness ghosts appear.

(2) In an abstract way I reflect on the possibilities of painting to interact with the viewer and the exhibition space. The small and inconspicuous is often the starting point for a process that expands the dimensionality of the painting and extends into the space. Kinetic movement places the painting in relation to the human body.

(3) ARCHIV _2003-2013_van reimersdahl berlin
With the idea of an extended painting on the human body or art to wear, by painted and printed fabrics, I founded the art fashion label "van reimersdahl berlin". I worked under it for over 10 years with international success (2003-2013). Being aware of the incompatibility of art and fashion, I am continuously interested in exploring the extention of painting.

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Charlotte Silbermann, September 2020 zur Austellung "0+255_Studiogalerie", Haus am Lützowplatz, Studiogalerie:

In den installativen Draperien von Andrea van Reimersdahl liegt der Anspruch, das Bild zu überwinden, ohne die Malerei aufzugeben. Ihre skulpturalen Gebilde setzen sich aus unterschiedlichen stofflichen Qualitäten zusammen, auf denen sich der Farbauftrag jeweils anders verhält. Das Changieren der Grautöne oder das Lichtspiel der vielfältigen Grauschattierungen variiert so je nach Gewebestruktur und wird durch die Faltungen der Stoffensembles noch einmal verstärkt. Die Farbmaserung steht schließlich aber im Kontrast zur weichen Materialität der Objekte. Sie legt eine Assoziation an Gesteinsschichten nahe. Hinzu kommt die feste Spannung der Stoffe durch Seile im Raum. Die Draperien sind weniger einem barocken Faltenwurf nachempfunden, sondern streben als Zelte oder Drachen vielmehr nach oben.

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Christioph Tannert, 2019 zur Austellung "What matters", Nachtspeicher e.V., Hamburg:

Andrea van Reimersdahl entwirft ein System jenseits der üblichen Systeme. Das Provisorische erlangt fließende Gültigkeit. Ihr gelingt es, durch Überlagerung der Medien dem Betrachter zusätzliche Wahrnehmungsebenen zu erschließen. Malerei in ihrem impressiven, expressiven oder erzählenden Sinn wird durch Anwendung von neuen Kriterien in den Bereich des Noch-nicht-Bekannten gewendet. Seherlebnis und Denkrahmen öffnen sich.

Ich empfinde den installativen Schwebezustand der „Verdrehten Malerei“ von Andrea van Reimersdahl als Befreiung der Malerei aus dem Keilrahmengeviert, als Station freieren Atmens, wo Bewegung und Veränderung als wiederkehrende Merkmale prozessorientierten Arbeitens erfahrbar werden.

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Julia Gwendolyn Schneider, 2016, zur Ausstellung "Slight Show", Kunsthalle am Hamburger Platz, Berlin:

Dem Ephemeren einen Raum geben

Der Verzicht auf die Wand als Trägermaterial von Kunst, ist bei Andrea van Reimersdahls Arbeit mit textilen Elementen zentraler Bestandteil. Sie setzt Gewebe in seiner Raum bildenden Wirkung ein. Diesem Prinzip folgt auch ihre jüngste Installation "Um den Morast zu umgehen, gingen wir in Richtung Osten" (2016), die sie im Rahmen der Ausstellung Slight Show in der Kunsthalle am Hamburger Platz zeigt. Die Wände der Kunsthalle werden nicht bespielt, sind aber für die Konzeption der künstlerischen Arbeit von zentraler Bedeutung: van Reimersdahl hat hier Maß genommen. Sie hat die Wandflächen vermessen und den Umfang ihrer verwendeten Stoffbahnen daraufhin berechnet. Entlang der Fensterfront des modernistischen Zweckbaus in Berlin-Weißensee, lässt sie Raum hohe Gewebebahnen Stellung beziehen. Auf den ersten Blick dominiert ihr Vorhangcharakter. Es lässt sich jedoch um sie herum bewegen – der Abstand zu den Fenstern ist bewusst großzügig bemessen. Die Stoffbahnen agieren wie Raumteiler im Sinne der Bauhaus-Textilkünstlerin Anni Albers, die in den 1950er-Jahren für den Einsatz von formbaren gewebten Stoffen als „Gegenstück zu den festen Wänden“ in Museen plädierte.

Doch van Reimersdahl geht darüber hinaus. Zu den raumgreifenden textilen Flächen mit leichtem Faltenwurf, gesellen sich asymmetrische Drapierungen. Die amorph gewundenen Tuchbahnen hängen an filigranen Ketten in unterschiedlicher Höhe im Raum und stellen ihre fragile Stofflichkeit explizit zur Schau. Subtil unterwandert die „weiche“ Materialeigenschaft des Textilen die geordnete Raumordnung der „festen“ Architektur. Es entsteht ein diffuser Raum, in dessen Unvorhersehbarkeit das Verlockende liegt. Unweigerlich müssen wird uns entscheiden, welche Wege wir in Bezug auf die textilen Hängungen einschlagen wollen. Sie eröffnen uns ein vielschichtiges Möglichkeitsfeld der Wahrnehmung. Dabei ist nicht nur die räumliche Gesamtanordnung von Bedeutung, hinzu kommt der mysteriöse Faltenwurf der Drapierungen, das Spiel von Licht und Schatten, sowie die Vielfalt der einzelnen Versatzstücke der vernähten Stoffbahnen. Hier finden sich vor allem Kombinationen aus gelben und schwarzen Farbfeldern, gepaart mit Bereichen in denen lockere, schwarz-weiße Strukturen auftauchen. Diese wild wuchernden Regionen erstellt die Künstlerin im Siebdruckverfahren. Beim Drucken verwendet sie in der Natur gesammeltes abgestorbenes organisches Material, wie Blattwerk, Tannennadeln oder Geäst, wodurch sie ihre Stoffe mit abstrakten Gestaltungselementen versieht. Schlussendlich lässt die gesamte Installation ein visuell-taktiles dreidimensionales nicht-gegenständliches Bild im Raum entstehen (...).